Geschichte

Die Historie der Ulmer DPSG-Stämme

In Ulm gab es im Laufe der Zeit schon einige Stämme der DPSG. Vor dem II. Weltkrieg waren es der Stamm „Ulm-West“ in der Pfarrei St. Elisabeth (gegründet durch Vikar Hillenbrand) und der Stamm „Ulm-Ost“ in der Pfarrei St. Georg (gegründet durch Georg Müller). Beide Stämme existieren heute allerdings nicht mehr.

Während des Verbotes der Pfadfinder im Dritten Reich lösten sich einige Stämme auf oder arbeiteten als „Gemeinschaft St. Georg“ als kirchliche Jugendgruppe im Untergrund weiter. Nach dem Krieg wurden der Stamm „Ulm-Ost“ wieder und die Stämme „Don Bosco“ (St. Michael zu den Wengen, Innenstadt) „Ulm-Nord“ (Pfarrei St. Maria Suso, Eselsberg) und „Ulm-Söflingen“ neu gegründet. Bei „Ulm-Nord“ und „Don Bosco“ war Manfred Wacker („mawa“, 1932 – 2012) wesentlich beteiligt. Er gründete auch 1976 unseren Stamm „Saint-Exupéry“ als zweiten Stamm (neben „Ulm-Ost“) in der Pfarrei St. Georg. Zwei Stämme in einer Pfarrei – das war eine bundesweite Besonderheit in der DPSG, die deshalb entstand, da der Stamm „Ulm-Ost“ seinerzeit eine Pädagogik vertrat, die im Widerspruch zu Ordnung und Satzung des Verbandes stand. „Ulm-Ost“ handelte dann wie der „Ulmer Kuhhirt“*): der Stamm trat 1984 aus der DPSG aus und kam somit dem drohenden Ausschluss durch die anstehende Bundesversammlung zuvor…

Wie unser Stamm zu seinem Namen kam

Bis auf den Stamm „Don Bosco“ nannten sich die Ulmer Stämme alle nach ihrer geografischen Lage: Nord, West, Ost und Söflingen. Anders der erste Pfadfindertrupp unseres Stammes: er suchte nach einem treffenden Namen, der auch Programm sein sollte. So kam er auf „Antoine de Saint-Exupéry“ (1900 – 1944), den französischen Piloten und Schriftsteller („Der kleine Prinz“, „Wind, Sand und Sterne“). Saint-Ex, wie seine Freunde ihn nannten, verkörperte in seinem Leben und Werk viele Ideen, Haltungen und Botschaften pfadfinderischen Bewusstseins: Abenteuerlust, kulturelles Interesse, Kreativität, Internationalität, Menschlichkeit, Spiritualität …

Jungs und Mädchen im Stamm „Saint-Ex“

Waren bislang Frauen in der DPSG „nur“ als Leiterinnen („Akela“) einer Wölflingsgruppe „zulässig“ – für die Mädchen gab es und gibt es die PSG („Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg“. Vereinigungsbestrebungen wie bei unseren evangelischen (VCP) und konfessionsfreien (BdP) Schwestern und Brüdern sind bislang am Widerstand der PSG gescheitert…) – so wurden Anfang der 70er Jahre alle Altersgruppen („Stufen“) der DPSG auch für Mädchen geöffnet. Das führte dazu, dass viele Stämme in jeder Stufe parallel nun eine Mädchen- und eine Jungengruppe besaßen.

Bei uns waren, initiiert von mawa, von Anfang an in allen Klein- und Großgruppen Mädchen und Jungen gemeinsam zusammen. Das Programm war koedukativ gestaltet, eine geschlechtsspezifische Rollenfestlegung oder Unterscheidung fand nicht statt. (Selbstverständlich gab es für die Geschlechter getrennte Schlafzelte…)

Unser Logo

Unser eigenes Emblem stammt – wie könnte es anders sein – vom Stammesgründer mawa. Zwischen den Schriftzügen „DPSG“ (oben) und „SAINT-EX“ (unten) findet sich eine etwas modifizierte DPSG-Lilie vor einer stilisierte Windrose. Diese kann auch – in Anspielung auf den Piloten Saint-Ex – als Flugzeug-Ring-Motor gedeutet werden.

Die Windrose wird rechts und links von einem Jungen und einem Mädchen flankiert (sog. „mawa-Männchen“, für die er im Verband und darüber hinaus als Karikaturist bekannt war), durch zwei Seilenden mit einem Weberknoten verbunden als Hinweis auf den Weltbund der Pfadfinderbewegung (WOSM, „World Organisation of Scout Movement“ mit Sitz in Genf)

Übrigens: die Farben unseres Emblems, dunkelorange und rostrot, waren damals in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, gedruckt auf orange-farbigen T-Shirts die absoluten Hingucker in einem Meer von sandfarbenen Pfadfinderuniformen (sog. „Kluften“)…

 

*) Die Sage vom „Ulmer Kuhhirt“:

Einst versah der Kuhhirt der freien Reichsstadt Ulm sein Amt so lässig und liederlich, dass der Stadtrat beabsichtigte, ihn abzusetzen. Doch der Kuhhirt hörte an der Rathaustür, als dieser Beschluss gefasst werden sollte. Er begab dich schnell ins Ratszimmer, um seiner Entlassung zuvor zu kommen und verlangte seinen Abschied. Dem verdutzten Rat blieb nichts anderes übrig als anzunehmen. Er musste ihm auch noch ein Abschiedsgeld zahlen…

Text: Thomas Hartmann, 05.12.2017